Ma3 Salama

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Der Blick in die Bekaa-Ebene vom Mount Libanon aus

Nein, da hab ich mich nicht verschrieben. Ma3 Salama ist richtig. Die 3 steht für einen der Buchstaben, den Deutsche besonders schlecht aussprechen können. „Mit Frieden“, heißt die Übersetzung, wenn ich mich richtig an meinen Arabischkurs erinnere. (Bei einem Fehler bitte gleich melden!) Es ist, wie man sich denken kann, ein Abschiedsgruß. Weiterlesen

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Undercover in Ashrafiye

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Diala dickes Schlüsselbund erzählt mehr über das letzte Jahr in ihrem Leben als jedes andere Detail in ihrer Wohnung. Denn an dem Bund hänge die Schlüssel ihres Studios in Damaskus, der Wohnung in Istanbul und schließlich dem neuen zu Hause in Ashrafiye, das sie vor ein paar Monaten gefunden hat. Diala hebt sie alle auf, die Schlüssel, und darin steckt eben so viel Verzweiflung wie Hoffnung. Der älteste Schlüssel ist von der Kitkat Box, jenem Zeichen-Atelier in Damaskus, in dem auch Karim gearbeitet hat. Ashrafiye ist das neue Hauptquartier der jungen, syrischen Bohème. Künstler wohnen hier, Zeichner, Fotografen. Auf einer Facebook-Gruppe organisieren sie Aktivitäten – wie das „Open House“, eine Art künstlerischen Salon. Weiterlesen

Einsamkeit auf Rollerblades

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Ich sehe Reem wieder. An einem vernieselten Abend in Hamra. Hier pochte einst das Herz des alten Beiruts. Hier liegt das Commodore Hotel, wo sich im Bürgerkrieg die meisten Journalisten aufhielten. Heute ist Hamra nur noch ein Abklatsch des alten kulturellen Zentrums. Viele Häuser sind verfallen und werden – nach Beirutmanier – eher abgerissen und durch einen Parkplatz ausgetauscht. Weiterlesen

Zara zu Besuch

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Die Zeit rennt. Ich habe noch gar nicht von letzter Woche erzählt. Da war Zara Järvinen (www.bluezphotography.com) eine Woche in Beirut. Mit Zara war ich schon zweimal unterwegs: 2012 in Jordanien und 2014 im Irak. Kennengelernt haben wir uns, weil ich mal einige Tage bei ihr auf dem Wohnzimmerfußboden geschlafen habe, durch Couchsurfing. Zara ist eine großartige Journalistin, hauptsächlich Fotografin, aber außerdem kann sieunglaublich gut Fragen stellen, auf den Punkt sozusagen.

Mit Zara war ich bei Asma und Siham, und sie hat wunderbare Porträts geschossen – demnächst in der „Emma“ zu bewundern. Außerdem waren wir eine Nacht lang mit dem Sheriff eines kleinen christlichen Dorfes unterwegs, der 100 Freiwillige um sich gescharrt hat, um die paar Hundert syrischen Flüchtlinge zu kontrollieren. Eigentlich ist es nur der Dorfpolizist, aber er führt sich auf wie im Wilden Westen. In der Bekaa-Ebene haben wir zwei Flüchtlingscamps besucht, und schließlich sind wir eine Nacht mit Reem durch die Stadt geskatet – dazu gleich mehr.

Unterstützung hatten wir dabei von zwei großartigen Übersetzerinnen: Leena Saifi, Filmemacherin und Produzentin aus Beirut/UK, und Susanne Schmelter, die gerade in Beirut promoviert. Ganz besonders spannend war unser Fahrer: Hassan, ein ehemaliger Hisbollah-Kämpfer, der jetzt in Beirut Taxi fährt…

Im dritten Leben

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Als es knallt, springt Sihem Abou Sitte auf und schlägt die Hände vor die Augen. Das sind nur ein paar Jungs, die draußen mit Böllern rumspielen, irgendwo zwischen dunklen Gassen, tropfenden Wasserrohren und diesem Spinnennetz aus Stromkabeln, das man in jedem Slum der Welt findet. Irgendwo inmitten der Armut der Beirute Vororte, im palästinensischen Flüchtlingslager Shatila, wo die Helden vergangener Zeiten an den Wänden gammeln und die Leute Kalaschnikows im Hinterzimmer haben. Weiterlesen

«Meine wunderbare Yasmin»

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Als sie zwölf war verliebte sich Riem in Yasmin. „Meine wunderbare Yasmin“, sagt Riem. Es ist das erste Mal, dass sie einen Menschen an sich heranlässt – und das letzte Mal sein. In der ersten großen Liebe macht man gern Dummheiten. Riems Problem war: Ihre erste große Liebe WAR eine Dummheit. Eine ernste Dummheit, für die sie ihr Leben lang büßen werden wird. Dass sie mit 15 Jahren 100.000 syrische Pfund von ihrem Vater stiehlt und nach Aleppo ausreißt, wäre vielleicht gar nicht das Problem gewesen, hätte sie es nicht mit einer Frau getan.

Ein Jahr lang leben Yasmin und Riem in Saus und Braus in einer unter Hand gemieteten Wohnung in Aleppo. Zwei Ausreißerinnen, Luft und Liebe. Sie könnten auch zwei Punkerinnen in Amsterdam sein. Dann aber, nach einem Jahr, so lautet Riems Version, will Yasmin ein Kind und Riem nicht, sie trennen sich und kehren zurück. Vielleicht war auch einfach Papis Kohle verprasst, oder sie hatten Heimweh, wer weiß. Alle halbwegs um ihr Kind besorgten Eltern hätten Riem mit nach Vergebung bittender Erleichterung wieder aufgenommen. Riems Eltern schickten sie zum Gynäkologen und ließen feststellen, ob sie noch Jungfrau war. Sie war es nicht.

Von da an beginnt eine vierzehnjährige Odyssee, die in einem Abbruchhaus im Westbeiruter Feierviertel Hamra endet. Ihre gesamte Geschichte hat ein dreistündiges Interview gefüllt und war dabei längst nicht erschöpfend. Ich werde sie bald mal in voller länge aufschreiben. Derweil lebt sie auf versifften Matratzen zwischen Drogensüchtigen und Menschen, die ihren Körper verkaufen müssen. Riem auch. Im Libanon wäre sie nicht gestrandet, wäre der Krieg in Syrien nicht gewesen. Auf der Straße schon, weil sie lesbisch ist.

Zwischenfazit

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Zwei Wochen in Beirut sind rum, und ich habe gerade einmal drei jämmerliche Blogposts verfasst. Man muss sich an diesen schnellen Output erst gewöhnen. Dennoch ist es Zeit für ein Zwischenfazit. Ich habe mir dafür ein Foto gesucht, das ich letzten Sonntag auf dem Weg zur deutschen Kirche geschossen habe. Es gibt hier eine kleine evangelische Gemeinde mit einem Hinterhofkirchlein. An dem Tag war Marathon, der in Beirut natürlich vor allem laut ist. Rumtata an jeder Ecke, dazwischen Läufer*innen mit Kopftüchern, andere im kurzen Höschen, dritte mit Hochzeitkleidern, weil sie für irgendetwas „Awareness“ schaffen wollten. Dazwischen dieses Stencil: Say yes! Rechts am Rand, das habe ich erst später bemerkt und nur halb fotografiert, ein altes Einschussloch, vielleicht aus dem Bürgerkrieg. Weiterlesen

Täglich Brot

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Diesen kleinen Flüchtlingsjungen sehe ich fast jeden Tag auf meinem Weg durch Hamra. Er sitzt dort mit seinen zwei Geschwistern, die höchstens ein und zwei Jahre jünger sind als er, und seiner Mutter auf einem Pappkarton. Vor einem Laden, in dem es ziemlich teure Unterwäsche gibt und sich Libanesinnen mit dem Hummer vorfahren lassen.

Das, sagt Asma, ist mein Mann.

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Asma holt ihr Telefon hervor und zeigt das Bild. Der Mann darauf ist in Decken gewickelt, nur das Gesicht schaut hervor. Die Augen sind geschlossen, blau, angeschwollen. Auf dem Hautdreieck dazwischen ein blutige Wunde. Ein Bild, wie sie zurzeit täglich zu Hunderten aus Syrien kommen. Eins, das man schnell wieder wegklickt, wenn es bei Twitter angezeigt wird. Hier ein Märtyrer!, schreit es – egal ob von Daish, der Opposition oder den Kurden, alle sehen gleich aus. Das, sagt Asma, ist mein Mann. Weiterlesen